Innere Uhr beeinflusst Kalorienverbrennung

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Der Kalorienverbrauch unseres Körpers und damit letztlich auch unser Gewicht hängt nicht allein davon ab, was und wie viel wir essen, sondern auch, wann wir die Nahrung zu uns nehmen. Zu diesem Ergebnis kamen jetzt Forscher der Harvard Medical School in Boston, die in einer Pilotstudie untersuchten, welchen Einfluss unsere innere Uhr auf unseren Stoffwechsel und speziell auf den Energieumsatz unseres Körpers im Ruhezustand hat. Fazit: Am späten Nachmittag und frühen Abend verbrennen wir rund zehn Prozent mehr Kalorien als etwa am frühen Morgen.

Ist also die überlieferte Ernährungsregel unserer Altvorderen zutreffend, die da lautet „morgens essen wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann“? Danach soll spätes Essen ja nicht nur dick, sondern auch krank machen. Hierüber herrscht in der Wissenschaft nach wie vor allgemeine Uneinigkeit: So kritisieren die Einen die Hauptmahlzeit in den Abendstunden, während für die anderen nichts dagegen spricht. Und jede Fraktion kann sich auf entsprechende Studien stützen. Zu der zuvor zitierten Lebensweisheit lässt sich allerdings feststellen, dass sich die Menschen in früheren Zeiten bei ihrer Arbeit meist mehr körperlich anstrengen mussten. Deshalb benötigten sie tagsüber auch mehr Energie.

Doch die Bostoner Forscher wollten ja herausfinden, wie viele Kalorien der menschliche Körper zu welcher Tageszeit verheizt. Dabei ging es ihnen darum, den Stoffwechsel unabhängig von einem durch externe Faktoren – wie Tageslicht und Uhrzeit – beeinflussten Tag-Nacht-Rhythmus und losgelöst von Aktivität, Ernährung sowie Schlaf-Wach-Zyklen zu beobachten. Von Interesse war lediglich der Zusammenhang zwischen innerer Uhr und Kalorienverbrauch – und der ist demnach intensiver als bislang vielfach angenommen.

Um die von ihnen erwünschten Testbedingungen zu schaffen, steckten die Versuchsleiter die Testpersonen in ein spezielles Labor. Das hatte keine Fenster, es gab keine Uhren, kein Telefon, Fernsehen oder Radio und auch der Zugang zum Internet blieb den Probanden verwehrt. Nichts sollte ihnen Aufschluss über die jeweilige Tageszeit geben. Doch damit nicht genug: Die Wissenschaftler schickten ihre menschlichen „Versuchskaninchen“ auch jeden Tag zu einem um vier Stunden vorgezogenen Zeitpunkt zum Schlafen ins Bett und weckten sie auch entsprechend früher. So wurde jede Nachtruhe um vier Stunden verschoben. Auf diese Weise sollte es den Probanden ergehen wie Reisenden, die jede Woche einmal den gesamten Globus umkreisen und dabei verschiedene Zeitzonen passieren.

Zweck dieser extremen Reisesimulation war es, den Biorhythmus des Körpers der Testpersonen durcheinanderzubringen, wie die Forscher erläuterten. Denn die innere Uhr des Menschen vermag einem solchen 28-Stunden-Takt nicht zu folgen und tickt stattdessen nach ihrem eigenen Tempo. So wurde es den Studienleitern möglich, den Energieverbrauch eines Körpers je nach dessen persönlichen biologischen Tageszeiten zu erfassen. Und siehe da: In den vom Biorhythmus vorgegeben Ruhephasen verbrennt der menschliche Körper demnach je nach Tageszeit unterschiedlich viele Kalorien.

Dazu muss man wissen, dass unser Körper eben auch im Ruhezustand Energie verbraucht: für den Herzschlag, für die Atmung, für die Regulierung der Körpertemperatur, für den Stoffwechsel und für das Funktionieren des Gehirns. Dieser sogenannte Grundumsatz, also die Energie, auf die der Körper angewiesen ist, um lebenswichtige Vorgänge am Laufen zu halten, soll rund 60 bis 70 Prozent des gesamten Energieverbrauchs des menschlichen Körpers ausmachen, wie die Wissenschaftler erklären.

Die Forscher von der Harvard Medical School in Boston entdeckten bei ihrer Studie nun, dass – neben unter anderem Alter, Geschlecht und Körpergewicht einer Person – auch ein bislang unbekannter Faktor den Grundumsatz beeinflusst: die Tageszeit. Denn die Probanden verbrannten im Ruhezustand am späten Nachmittag und am frühen Abend 10 Prozent mehr Kalorien als in den frühen Morgenstunden. Am geringsten war der Ruheumsatz demnach spät in der (biologischen) Nacht.

Die Studienergebnisse unterstreichen die bisherigen Annahmen, wie erheblich der Stoffwechsel eines Menschen auch von seiner inneren Uhr beeinflusst wird. Demnach hängt die Energiemenge, die unser Körper verbrennt oder als Fett speichert, also nicht nur davon ab, was und wie viel wir essen, sondern auch davon, wann wir speisen und wann wir ruhen. Aus Sicht der Wissenschaftler lässt sich mit dem in der Studie nachgewiesenen Rhythmus beim Energieverbrauch nun unter anderem auch erklären, warum unregelmäßiges Essen und Schlafen eher zu Übergewicht führen – wie etwa bei Schichtarbeitern.

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