Familienmahlzeiten fördern Ernährungsgesundheit von Kindern

Gemeinsam essen gegen Übergewicht.

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Gemeinsame Mahlzeiten mit der Familie können Übergewicht bei Kindern vorbeugen. Zu diesem Resultat gelangten Wissenschaftler der Universität Mannheim und des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung nach der Auswertung von Studien zur Qualität von Familienmahlzeiten. Danach ernähren sich Kinder aus Familien, in denen häufiger zusammen gegessen wird, gesünder und haben einen geringeren Body-Mass-Index (BMI).

Allerdings führen Familienmahlzeiten nicht von selbst zu einem besseren Essverhalten, wie Studienautorin Mattea Dallacker vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung einschränkt. Vielmehr deute die derzeitige Forschung darauf hin, dass bei gemeinsamen Mahlzeiten neben der Qualität des Essens auch psychologische und Verhaltensaspekte wichtig sind, fügt Co-Autorin Jutta Mata, Professorin für Gesundheitspsychologie an der Universität Mannheim, hinzu. Damit meint sie, dass die Mahlzeiten tunlichst in einer angenehmen Atmosphäre stattfinden und gesunde Lebensmittel gereicht werden. Dabei soll ein positives elterliches Rollenvorbild die Ernährungsweise von Kindern verbessern.

Damit erteilen die Wissenschaftler grundsätzlich hastigen „Imbissen“ zwischen Tür und Angel ebenso eine Absage wie Mahlzeiten, die beim Bedienen von Smartphone bzw. Tablet oder beim Fernsehgucken quasi nebenbei eingenommen werden. Zu den letztgenannten Verhaltensmustern soll jedoch noch weitere Forschung zusätzliches Wissen bringen. Gesichert ist laut der aktuellen Studie jedoch wohl die Erkenntnis, dass das Ausschalten des Fernsehers eine genauso bedeutsame Komponente für ein gesundes Familienmahl ist wie die Dauer der Mahlzeit. „Wie eine Familie gemeinsam isst, ist genauso wichtig oder sogar wichtiger als die Häufigkeit der gemeinsamen Mahlzeiten“, bringt es Co-Autor Ralph Hertwig, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, auf den Punkt. Das Alter der Kinder – ob Kleinkind oder bereits Heranwachsender – sowie der soziale und ökonomische Hintergrund der Familie haben demnach keinen Einfluss auf die Ergebnisse.

Festzustehen scheint demnach gleichfalls, dass häufige Familienmahlzeiten ebenso gut für eine gesunde Ernährung von Kindern sind wie für deren Erziehung zu gesunder Ernährung. Das gilt nach den Studienergebnissen besonders für Kinder, die bei der Zubereitung der Mahlzeiten mit einbezogen werden oder deren Eltern durch ihr eigenes Ernährungsverhalten mit gutem Beispiel vorangehen.

Bei gemeinsamen Mahlzeiten auf kindliche Essgewohnheiten einwirken

Somit können Familienmahlzeiten nach Ansicht der Verfasser eine erhebliche Bedeutung für die Prävention von Adipositas haben: „Um Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen zu bekämpfen sind Familienmahlzeiten eine Möglichkeit“, erklärt Gesundheitspsychologin Mata. Denn die gemeinsamen Mahlzeiten bieten demnach eine gute Möglichkeit, um auf kindliche Essgewohnheiten unmittelbar und frühzeitig einzuwirken. Gerade im Hinblick auf die vielen verschiedenen Alltagsabläufe unserer modernen Gesellschaft sehen die Wissenschaftler darin eine wichtige Aufgabe für Eltern und Erzieher.

Für ihre Metaanalyse zu den Familienmahlzeiten werteten die Forscher insgesamt 50 Studien mit über 29.000 Probanden und Probandinnen aus aller Welt aus, die sich mit dem Zusammenhang eines oder mehrerer Komponenten von Familienmahlzeiten und der Ernährungsgesundheit von Kindern beschäftigen. Als Indikatoren für die Ernährungsgesundheit wurden der BMI als indirektes Maß für Körperfett und Übergewicht sowie die Ernährungsqualität herangezogen, wie die Uni Mannheim erläuterte – gemessen an den pro Tag konsumierten Portionen an gesunden und ungesunden Lebensmitteln.

Für die Ergebnisse der Studie waren das Alter der Kinder und das Land, wo die jeweilige Untersuchung durchgeführt wurde, übrigens nicht von Bedeutung. Auch spiele es keine Rolle, welche Mahlzeit gemeinsam eingenommen werde, betonen die Wissenschaftler. Wichtig ist demnach ebenfalls nicht, ob nur ein Elternteil oder die ganze Familie mit bei Tisch sitzt.

Die Kindheit biete ein einzigartiges Zeitfenster, um schädlichen Gesundheits- und Essgewohnheiten entgegenzuwirken, rät Studienautorin Mattea Dallacker. Sie bezeichnet Eltern als sogenannte „Gatekeeper“, also Türsteher der Ernährung, die einen maßgeblichen Einfluss darauf haben, was, wie und wie viel Kinder essen. Familienmahlzeiten hält Dallacker für eine ausgezeichnete Lernumgebung, um eine gesunde Ernährungsweise bei Kindern zu fördern.

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